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	<title>Markus Deisenberger - Texte &#38; Musikmanagement &#187; Sport</title>
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		<title>„Brutal schöne Momente“</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Feb 2015 15:49:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>

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		<description><![CDATA[<p><img width="300" height="272" src="http://www.deisenberger.com/wp-content/uploads/Bildschirmfoto-2015-02-08-um-16.48.09-300x272.png" class="attachment-medium wp-post-image" alt="Bildschirmfoto 2015-02-08 um 16.48.09" /></p>Mit seiner Silbermedaille im Sprint leitete Dominik Landertinger das Wintermärchen des österreichischen Biathlon-Teams in Sotschi ein. Als Schlussläufer in der Staffel sorgte er für die Draufgabe. Ein Gespräch über Mega-Leistung, schwarze Schafe und die Angst vor dem letzten Schießen. Silber im Sprint, Bronze mit der Staffel – Sind Sie zufrieden mit der Ausbeute? Extrem zufrieden. [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img width="300" height="272" src="http://www.deisenberger.com/wp-content/uploads/Bildschirmfoto-2015-02-08-um-16.48.09-300x272.png" class="attachment-medium wp-post-image" alt="Bildschirmfoto 2015-02-08 um 16.48.09" /></p><p><em>Mit seiner Silbermedaille im Sprint leitete Dominik Landertinger das Wintermärchen des österreichischen Biathlon-Teams in Sotschi ein. Als Schlussläufer in der Staffel sorgte er für die Draufgabe. Ein Gespräch über Mega-Leistung, schwarze Schafe und die Angst vor dem letzten Schießen.</em></p>
<p><strong>Silber im Sprint, Bronze mit der Staffel – Sind Sie zufrieden mit der Ausbeute?</strong><br />
Extrem zufrieden. Eine Medaille war das Ziel, geworden sind es zwei. Ein großer Erfolg. Bei der Dichte in diesem Sport ist es ja sehr schwierig, überhaupt eine Medaille zu holen.</p>
<p><strong>Sie gelten als jemand, der sich die Latte sehr hoch legt. Wäre noch mehr drin gewesen? </strong><br />
Natürlich will man immer mehr, aber man muss dabei auch realistisch bleiben. Ich war 1,3 Sekunden hinter der Goldmedaille, aber hinter mir waren zehn andere Leute, die um ein paar Sekunden die Silberne verpasst haben. Es kann sehr schnell gehen und man ist nur Vierter. Ich bin einer, der am Boden bleibt.</p>
<p><strong>Sie haben mal gesagt, Bescheidenheit sei für einen Sportler besonders wichtig. Mussten Sie sich die erarbeiten oder waren Sie immer schon bescheiden?</strong><br />
Wenn man einmal – so wie ich nach Vancouver 2010 – zwei schlechte Jahre gehabt hat, verschiebt sich alles ein bisschen. Man ist plötzlich auch mit einem Top 10-Platz zufrieden, weil es einfach eine Mega-Leistung ist, die man erst einmal bringen muss. Aber letztlich muss jeder Sportler für sich selbst entscheiden, womit er zufrieden ist oder nicht.</p>
<p><strong>Wie geht man damit um, wenn trotz aller Bemühungen die Erfolge ausbleiben?</strong><br />
Man muss aufpassen, dass man sich nichts von anderen einreden lässt. Jeder will dir sagen, woran es liegt und was man anders machen soll. Gerade in solch einer Situation aber ist es am Wichtigsten, auf sich selbst zu hören. Man muss das tun, was man selber für richtig hält und auf die eigene Analyse vertrauen.</p>
<blockquote><p>„Nervös ist jeder, und alle haben beim letzten Schießen die Hosen mehr oder weniger voll“
</p></blockquote>
<p><strong>War die Erleichterung groß, als sie die erste Medaille für Österreich geholt haben? </strong><br />
Auf jeden Fall. (lacht) Es ist mir ein riesiger Stein vom Rücken gefallen.</p>
<p><strong>Gehen wir zum Teambewerb: Ein spannendes Rennen und Werbung für den Biathlon. Man hört immer wieder, eine Medaille in der Staffel sei etwas ganz Besonderes. Warum eigentlich?</strong><br />
Wenn ich für mich ein Rennen verhaue, dann ist das mein Problem. Als Teil der Staffel aber zieht man, wenn man keine Leistung bringt, drei andere mit runter. Das tut noch mehr weh und macht einen sehr nervös. Insofern ist die Staffel die Königsdisziplin. Die Einschaltquoten waren auch unvorstellbar hoch, weil es für den Zuschauer wahnsinnig spannend ist. In dieser Disziplin für Österreich und für das Team eine Medaille zu holen, ist einfach etwas ganz Besonderes.</p>
<p><strong>Sie waren Schlussläufer und sind als Vierter ins Rennen gegangen. Was geht einem da durch den Kopf?</strong><br />
Nicht viel. Beim letzten Schießen habe ich mir dann gedacht: „Wir sind vier, einer zieht die „Arschkarte“. Wäre toll, wenn das nicht ich bin.“ Nervös ist jeder, und alle haben beim letzten Schießen die Hosen mehr oder weniger voll. Insofern ist es ausgeglichen: Alle haben dieselbe Angst. Da hab´ ich mich ganz auf mich konzentriert und Schuss für Schuss runtergearbeitet. Gott sei Dank hat es gereicht.</p>
<p><strong>Für Christoph Sumann (38) und Daniel Mesotitsch (37) war die Staffel das letzte olympische Rennen. Muss man sich als Fan Sorgen machen oder rücken genügend junge Talente nach?</strong><br />
Wir haben schon ein paar Junge, die nachrücken. Trotzdem müssen wir noch mehr in die Jugend investieren. Richtig sorgen muss man sich nicht, aber es ist auch keine „gmahde Wiesn“.</p>
<p><strong>Wie oft denken Sie noch an Ihren Staffel-Zieleinlauf?</strong><br />
Das sind schon brutal schöne Momente. Richtig genießen kann ich es, glaube ich, aber erst im April, wenn alles vorbei ist und ich in Ruhe über alles nachdenken kann. Ich hatte eine Mega-Saison: Zwei Medaillen bei Olympia. Aber auch im Gesamtweltcup bin ich auch ganz vorne dabei, unter den besten Fünf. Vielleicht gehen sich sogar noch die Top Drei aus. </p>
<p><strong>Wie war Sotchi aus der Sicht des Sportlers? Hat man etwas von den enormen Spannungen, die es ja schon vor der Ukraine-Krise gab, mitbekommen?</strong><br />
Nein, man hat gar nichts mitgekriegt. Für mich waren das auch die besten Olympischen Spiele, an denen ich bislang teilgenommen habe. Man hat von den enormen Sicherheitsvorkehrungen nichts gemerkt und es war alles einwandfrei organisiert. Die Leute waren äußerst freundlich und man konnte einfach alles haben. Die Medien sind teilweise sehr unfair in ihrer Berichterstattung gewesen. </p>
<p><strong>Leider gab es wieder Doping-Fälle, darunter mit Johannes Dürr auch einen österreichischen. Wie haben Sie das erlebt?</strong><br />
Das ist natürlich sehr bitter und hat uns alle schockiert. Im Endeffekt kann man aber wenig machen, weil es überall – ob nun in Wirtschaft, Politik oder eben im Sport – immer schwarze Schafe geben wird. Und letztlich muss ich als Athlet auf mich schauen und habe auf das, was andere Leute machen, keinen Einfluss.</p>
<p><strong>Im Radsport wird heute schon beinahe jede Spitzenleistung angezweifelt. Wie weit ist man bei den Nordischen von solch einem Generalverdacht entfernt? </strong><br />
Ich denke nicht, dass man das vergleichen kann. Gerade im Langlauf kann man mit dem Material extrem viel machen. Wenn Form und Ski passen und du einen perfekten Tag hast, gibt es viel Luft nach oben. Das hat nichts mit Doping zu tun. Und mit diesem Generalverdacht muss man aufhören. Wenn einer schnell läuft, gleich zu sagen, dass der etwas nimmt, ist extrem unfair. Man kann aus einem Körper so viel rausholen, das kann sich ein Nichtsportler gar nicht vorstellen. </p>
<p><strong>Biathlon ist also sauber?</strong><br />
Im Großen und Ganzen ist unser Sport extrem sauber, da bin ich mir sicher. Durch das Schießen im Biathlon ist die Situation auch eine ganz andere als etwa beim Radfahren. Es geht nicht nur um Ausdauer. </p>
<p><strong>Ein Hobbysportler kann sich auch die Qualen, die ein Spitzensportler auf sich nimmt,  nicht vorstellen. Wofür machen Sie es? Für das Hochgefühl, wen man im Rennen merkt, man kann vorne mitmischen? Um die Hymne zu hören?</strong><br />
Ich habe Biathlon in der Skihauptschule begonnen und festgestellt, dass mir Leistungssport liegt. Ich bin damit also mehr oder weniger aufgewachsen. Auch meine ganzen Freunde waren/sind Sportler. Und wenn man in guter Form ist, kann man den Leistungssport sehr genießen. Seinen Körper regelmäßig ans Limit zu bringen und zu pushen, ist für mich ein Genuss, und der Kampf Mann gegen Mann eines der geilsten Gefühle überhaupt.</p>
<p><strong>Sie genießen wirklich jeden Tag, auch wenn Sie hart trainieren?</strong><br />
Training ist für mich keine Arbeit, sondern Hobby. Ich trainiere auch im Urlaub. Ich erfreue mich einfach daran, draußen sein zu können. Sicher gibt es auch zähe Tage, aber selbst dann ist mein Ehrgeiz so groß, dass ich es einfach trotzdem durchziehe.</p>
<p><strong>Was sind Ihre nächsten Ziele? Ist es schwer, nachdem man soviel erreicht hat, neue zu definieren?</strong><br />
Nein, auf keinen Fall. Das nächste Riesenziel ist Hochfilzen 2017. Das Jahr darauf sind gleich die nächsten olympischen Spiele. Und jedes Jahr gibt es eine Biathlon WM. Es gibt noch genügend Ziele für mich. Nächstes Jahr z.B. der Gesamtweltcup. </p>
<p><strong>Wie wichtig ist ein perfektes Umfeld, um Spitzenleistungen zu bringen?</strong><br />
Extrem wichtig. Für mich ist Wüstenrot der beste Sponsor, den ich mir nur vorstellen kann. Gerade im Ausdauersport ist es wichtig, einen Sponsor zu haben, der einen nicht ständig von A nach B zu Veranstaltungen und Terminen schickt. Wir stecken so viel Energie ins Training, da braucht man auch Zeit zum Regenerieren. Wüstenrot gibt mir diese Zeit und stärkt mir den Rücken – das war auch in den Jahren, in denen es bei mir nicht gut lief, so. </p>
<p><strong>Wie kann man sich Dominik Landertinger als Privatperson vorstellen? Was ist Ihnen wichtig?</strong><br />
Viel Zeit mit meiner Partnerin und meine Freunden zu verbringen. Und die größte Entspannung ist für mich die Heimat: Berge, frische Luft und Hausmannskost. Ich bin großer Österreich-Fan. Wenn man so wie ich viel unterwegs ist, lernt man das Zuhause ganz besonders zu schätzen. Das erdet mich.</p>
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		<title>Die perfekte Welle</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Feb 2015 09:59:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>

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		<description><![CDATA[<p><img width="295" height="300" src="http://www.deisenberger.com/wp-content/uploads/Bildschirmfoto-2015-02-08-um-10.55.27-295x300.png" class="attachment-medium wp-post-image" alt="Bildschirmfoto 2015-02-08 um 10.55.27" /></p>Nach der Heim-WM in Schladming peilt Lizz Görgl schon das nächste Ziel an: Die olympischen Winterspiele in Sotchi. In ihrer Wohnung in Innsbruck verriet das Ski-As Wüstenrot, wo sie entspannt, was den „Flow“ ausmacht und wie beim Spitzensport auch der Mensch mitkommt. Sie gelten als sehr ruhig. Ist diese Ausgeglichenheit das Geheimnis Ihres Erfolges? Oder [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img width="295" height="300" src="http://www.deisenberger.com/wp-content/uploads/Bildschirmfoto-2015-02-08-um-10.55.27-295x300.png" class="attachment-medium wp-post-image" alt="Bildschirmfoto 2015-02-08 um 10.55.27" /></p><p><em>Nach der Heim-WM in Schladming peilt Lizz Görgl schon das nächste Ziel an: Die olympischen Winterspiele in Sotchi. In ihrer Wohnung in Innsbruck verriet das Ski-As Wüstenrot, wo sie entspannt, was den „Flow“ ausmacht und wie beim Spitzensport auch der Mensch mitkommt.</em></p>
<p><strong>Sie gelten als sehr ruhig. Ist diese Ausgeglichenheit das Geheimnis Ihres Erfolges? Oder welcher Taktik bedarf es, um sich im Skisport dauerhaft in der Weltspitze zu behaupten?</strong><br />
Zunächst einmal braucht man den Willen, sich selbst und die Gesamtsituation immer wieder zu hinterfragen und Fehler zu analysieren. Dabei gilt es Ruhe zu bewahren und sich immer wieder auch bewusst zurückzuziehen, um zu reflektieren und Kraft zu tanken. Wenn man permanent auf hundert ist, wird man früher oder später krank oder eine Verletzung bremst einen aus. Alles ein wenig ruhiger anzugehen ist viel zielführender als übertriebener Perfektionismus.</p>
<p><strong>Was natürlich leichter fällt, wenn man schon gewisse Erfolge vorweisen kann&#8230;</strong><br />
Freilich. Der Grat ist ein sehr schmaler. Ich bin auch jemand, der sehr hart zu sich selbst sein kann und öfter einmal zu viel will. Umso wichtiger ist es innezuhalten, durchzuatmen und anzuerkennen, dass es gut so ist, wie es ist.</p>
<p><strong>Sie selbst blieben in Ihrer Karriere vor Verletzungen nicht verschont.</strong><br />
Nein. Bis zwanzig hab ich mir drei Mal das Kreuzband gerissen. Zwei Mal musste die Beugesehne, ein Mal die Patella als Ersatzmaterial herhalten.</p>
<p><strong>Und da dachten Sie nie ans Aufhören?</strong><br />
Beim zweiten Mal – da war ich siebzehn – hab ich sofort gewusst, dass es wieder das Kreuzband ist. Da bin ich nachher im Schnee gesessen und hab ich mich gefragt, ob ich´s nicht bleiben lassen soll. „Nein“, hab ich mir gesagt, „das war´s sicher noch nicht. Ich hab noch so viel vor.“</p>
<p><strong>Was haben Sie heute noch vor? Was sind Ihre nächsten Ziele?</strong><br />
Nach der Heim-WM sind klar die olympischen Spiele in Sotchi das nächste große Ziel, dann die WM in Vail. Aber ganz abgesehen davon geht es mir einfach darum, so Ski zu fahren, wie ich es will, die Schwünge so zu treffen, wie ich mir das vorstelle. Der Sport an sich reizt mich. Man lernt nie aus. Gerade was die Abstimmung zwischen Mensch und Material anbelangt, gibt es immer etwas zu verbessern.</p>
<p><strong>Ans Aufhören denken Sie also auch heute noch nicht?</strong><br />
(lacht) Irgendwann möchte ich schon aufhören, aber so lange ich Spaß und das Gefühl habe, noch besser zu werden, möchte ich weitermachen.</p>
<p><strong>Vielen Sportlern fällt es auch schwer, sich nach großen Erfolgen wieder zu motivieren. Ihnen nicht?</strong><br />
Nein. Was meine Ziele anbelangt ganz und gar nicht. Aber man erreicht schon einmal den Punkt, an dem der Körper einfach nicht mehr will. Nach einer langen Saison etwa. Und da muss man dann auch einmal wirklich gar nichts machen – auch wenn das manchmal schwerfällt.</p>
<p><strong>Fährt bei Ihnen – vor allem bei schwierigen Abfahrten – manchmal auch die Angst mit? </strong><br />
Angst nicht, nein, die hemmt einen. Aber Respekt und Vorsicht sind notwendig, um hochkonzentriert zu arbeiten und sich ans Limit heranzutasten. Es ist wie bei einem Auto, das man warm fahren muss. Genauso brauch ich eine gewisse Betriebstemperatur, um optimale Leistung abzuliefern. Und wenn dann alles zusammen passt, macht es irgendwann „Klick“ und es stellt sich ein „Flow“ ein.</p>
<p><strong>Was genau verstehen Sie unter dem „Flow“?</strong><br />
Einen Zustand, in dem alles wie von selber geht, weil die Sine ganz scharf sind. Man glaubt zu schweben &#8211; ganz langsam und bei vollem Bewusstsein, während man in Wahrheit unglaublich schnell ist. Im Ziel fragt man sich dann: „Wow. Was war das jetzt?“ Das erlebt man nicht sehr oft und es braucht dazu eine lange Vorlaufzeit. Aber wenn es passiert, ist es unglaublich. Dann passt alles zusammen.</p>
<p><strong>Gut zusammen passen offenbar auch Lizz Görgl und Wüstenrot. Was bedeutet Ihnen diese Partnerschaft?</strong><br />
Sehr viel. Wüstenrot ist ein sehr engagierter und starker Partner, und wir verfolgen eine ähnliche Philosophie. Unsere Zusammenarbeit geht auch weit über das Sponsoring, d.h. das Schild an meinem Kopf, hinaus. Wir haben schon gemeinsame Skitage verbracht und ich wurde zu Management-Tagungen eingeladen, um dort Vorträge zu halten. Das macht großen Spaß und bringt beiden Seiten etwas: Der Weg, den ich gegangen bin, kann ja auch leicht jemanden im normalen Berufsleben inspirieren. Und umgekehrt ist die Leistung, die ein Top-Manager täglich bringen muss, auch Inspiration für mich.</p>
<p><strong>Sie sind viel unterwegs. Worauf legen Sie besonderen Wert, wenn Sie zu Hause sind?</strong><br />
Ruhe und Abgeschiedenheit, denn leider habe ich einen sehr leichten Schlaf. In meiner alten Wohnung war der Straßenlärm eine Belastung. Hier kann ich nachts die Fenster aufmachen, das ist eine ungeheure Qualität. Und trotzdem bin von hier aus in zehn Minuten im Zentrum. So etwas findet man in einer Stadt nicht gerade leicht.</p>
<p><strong>Was ist Ihnen bei der Einrichtung Ihrer Wohnung wichtig? Worauf legen Sie Wert?</strong><br />
Wärme ist mir wichtig. Deshalb auch habe ich die Fotos im Gang aufgehängt. Die weißen Wände waren mir zu kalt. Und die persönliche Note muss da sein. Was Innenarchitekten zaubern, gefällt mir meistens schon, aber eine Wohnung muss mit ihrem Eigentümer mitwachsen. Ich mache daher am liebsten alles selbst. Und dafür braucht man Zeit &#8211; Zeit, ein Bild zu malen; Zeit, zu überlegen, welche Fotos zu einem passen. </p>
<p><strong>Haben Sie ein Lieblingsstück?</strong><br />
Nicht nur eines, sondern viele. Aber meine rote Couch und mein Bio-Alkohol-Ofen, der mich im Winter wärmt, hab ich schon ganz besonders gern.</p>
<p><strong>Was machen Sie, wenn Sie zu Hause entspannen wollen?</strong><br />
Ich starte den Tage gern, indem ich mich sammle und ruhig bin. Wenn ich um halb sieben aufstehe, genieße ich zuerst einmal das Morgenrot auf meiner Terrasse, setz mich hin und meditiere ein bisschen, wenn es das Wetter zulässt. Wenn es nicht so schön ist, mach ich mir ein Feuer.<br />
Am Wochenende schlaf ich mich gerne aus, gehe mit einem Freund in die Stadt bummeln und Kaffee trinken.<br />
Da ich eher der Typ bin, der sehr schnell Muskeln aufbaut und auch schnell einen Tonus bekommt, habe ich eine Sauna im Bad und einen Whirlpool auf der Terrasse. Das brauche ich einfach, um nach dem Training wieder locker zu werden.</p>
<p><strong>Wissen Sie schon, was Sie nach Ihrer aktiven Karriere beruflich machen wollen?</strong><br />
Ich kann mir vorstellen, meine Erfahrung – sei es nun im Motivationsbereich oder auch im Sportlichen – an andere weiter zu geben, dem Skisport also in beratender Funktion erhalten zu bleiben.<br />
(überlegt eine Weile) Oder ich mache etwas ganz anderes, wer weiß.<br />
Dass es so offen ist, empfinde ich als Glück. Ich möchte auch nur etwas machen, wenn ich das Gefühl habe: Das ist es. Kompromisslösungen sind meines nicht.</p>
<p><strong>Michael Phelps meinte nach seinem Rücktritt auf die Frage, was er jetzt vorhabe, er werde versuchen, den Menschen Phelps besser kennen zu lernen. Offenbar hat er dem Sport alles, auch das Menschsein, untergeordnet. Bei Ihnen hat man diesen Eindruck ganz und gar nicht.</strong><br />
Ich werde oft gefragt, wieso ich erst mit dreißig Weltmeisterin wurde. Die Antwort ist:<br />
Weil ich mich seit fünfzehn Jahren auch ganz stark mit mir selber auseinandersetze, um auch als Mensch mitzukommen. Erfolg zu haben, ihn aber dann nicht richtig einordnen und verarbeiten zu können, ist tragisch. Bei mir hat es ein wenig länger gedauert, dafür kann ich ihn genießen. Und Sport ist auch nicht alles. Das Wichtigste ist, drauf zu kommen wer man selbst ist.</p>
<p><strong>Welchen Beruf hätten Sie ergriffen, wenn es mit dem Skifahren nicht geklappt hätte?</strong><br />
Das hab ich mich auch schon oft gefragt. Singen ist eine Sache, die mir sehr viel Spaß macht.<br />
Dass ich zum Beispiel den WM-Song singen durfte, war großartig. Aber als Beruf könnte ich´s mir nicht vorstellen.<br />
(überlegt) Ich glaub, dass ich auch ohne Skifahren irgendwo im Sport gelandet wäre. Vor zwei Jahren hab ich mit Windsurfen begonnen. Ja, vielleicht wäre ich Surferin geworden. </p>
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		<title>Der Marathon-Mann</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Feb 2015 09:39:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>

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		<description><![CDATA[<p><img width="300" height="200" src="http://www.deisenberger.com/wp-content/uploads/geierspichlerwindkanal09-300x200.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="geierspichlerwindkanal09" /></p>Ob rauschfreies Telefonieren oder barrierefreies Wohnen: Olympiasieger Thomas Geierspichler ist seit seinem Weltrekord in Peking ein beliebter Werbe- und Gesprächspartner. Beinahe täglich erhält er Anfragen. Umso schöner, dass er sich für Wüstenrot die Zeit nahm, durch sein Haus zu führen und dabei über Sport, Gott und die Welt zu sprechen. In Anif bei Salzburg, gegenüber [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img width="300" height="200" src="http://www.deisenberger.com/wp-content/uploads/geierspichlerwindkanal09-300x200.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="geierspichlerwindkanal09" /></p><p><em>Ob rauschfreies Telefonieren oder barrierefreies Wohnen: Olympiasieger Thomas Geierspichler ist seit seinem Weltrekord in Peking ein beliebter Werbe- und Gesprächspartner. Beinahe täglich erhält er Anfragen. Umso schöner, dass er sich für Wüstenrot die Zeit nahm, durch sein Haus zu führen und dabei über Sport, Gott und die Welt zu sprechen.</em></p>
<p>In Anif bei Salzburg, gegenüber dem elterlichen Hof, hat sich Thomas Geierspichler den ehemaligen Getreideboden ausgebaut. Dort, wo er einst als Kind Fangen spielte und verstohlen durch eine kleine Luke in der Wand auf den elterlichen Hof rüber schaute, ist heute sein Wohnzimmer. Überhaupt hat der Hof, den er übernommen hätte, wäre nicht jener Unfall passiert, der sein Leben auf den Kopf stellte, in den letzten Jahren viele Veränderungen erfahren: Der Stall wurde zu einem Therapiezentrum um- und der östliche Teil des Hofes zu einer Apartmentanlage ausgebaut. Dass sein Heim exakt auf seine Bedürfnisse abgestimmt ist, erzählt der Salzburger, liegt daran, dass er beim Bau dabei war. „Ich hab´ gesagt wie ich es haben will und so wurde es gemacht.“ Auf den ersten Blick sind es nur Kleinigkeiten: Ein kleine Bank in der Dusche, niedrige Armaturen. Auf den zweiten Blick aber summieren sich diese Kleinigkeiten. Das weiß auch Geierspichler: „Im Nachhinein Umrüsten ist das Teure“, sagt er. Sein Tipp daher: „Planen und nicht wild drauf losbauen.“</p>
<p><strong>Ein Spruch lautet: Erst das zweite Haus baut man richtig.</strong><br />
Und das versteh ich überhaupt nicht. Warum baut man nicht gleich so, wie es sein soll? Es muss ja nicht gleich behindertengerecht sein, aber Menschen werden nun mal älter und gebrechlich. Laut Statistik kostet behindertengerechtes Bauen nur zwischen ein und drei Prozent des Gesamtpreises. Das kann sich jeder Häuslbauer leisten. Oft geht es ja nur um Raumgröße, für die man eine Mauer einreißen muss.</p>
<p><strong>Im Behindertensport hast Du auch einige Mauern eingerissen</strong><br />
Mein Traum war immer, dass man die sportliche Leistung unabhängig davon beurteilt, ob jemand behindert ist oder nicht. Jemanden, der ein gutes Buch schreibt, fragt auch niemand, ob er Mann oder Frau, schwarz oder weiß ist.</p>
<p><strong>Wie weit sind wir von diesem Idealzustand entfernt?</strong><br />
Dass ich noch vor Marc Janko Sportler des Jahres wurde, zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Die Leute stehen hinter mir und sehen die Leistung und nicht die Behinderung. Im Fernsehen sieht das noch anders aus: Eine Stunde Zusammenfassung von den Paralympics inklusive Eröffnungs- und Abschlussfeier. Hauptsächlich weinende Behinderte, kaum Leistung. </p>
<p><strong>Kann der Druck der Öffentlichkeit etwas bewegen?</strong><br />
Kaum, weil das Meiste von privaten Firmen produziert wird. Aber ich will auch gar nicht, dass sich jemand für meine Leistungen interessiert, weil er muss, sondern aus freiem Herzen. </p>
<p>Langsam beginnt die Tour durch Geierspichlers Reich: Ebenerdig befinden sich Schlafzimmer, Bad und ein kleines Gästezimmer, im ersten Stock, in den man mit einem geräumigen Lift gelangt, das äußerst großzügige Wohnzimmer. Unsere erste Station ist – für eine Hausbegehung wohl eher ungewöhnlich – das Schlafzimmer. Warum das? „Dort bin ich einfach am liebsten. Wenn ich daheim bin, leg ich mich ins Bett und schlafe oder schaue fern. Für den riesigen Flachbildfernseher entschuldigt er sich dann auch gleich: „Ich weiß, das ist ungesund, aber wenn ich den Fernseher im ersten Stock hätte und dann nach dem Abschalten noch mit dem Rollstuhl einen Stock tiefer fahren muss, wäre unten schon wieder munter.“ Klingt plausibel.</p>
<p><strong>Ab wann ging es eigentlich bei Dir los mit den Talkshows?</strong><br />
Richtig eingeschlagen hat es ab Peking mit dem Weltrekord. Da ging es dann Schlag auf Schlag. Es war, als ob Österreich drauf gewartet hätte.</p>
<p><strong>Das war aber doch lang nach Deinen Erfolgen in Sydney und Athen?</strong><br />
Stimmt. Obwohl ich schon in Sydney erfolgreich war und in Athen fünf Medaillen gewann, hat es zehn Jahre gedauert. Da muss man durchbeißen wie beim Haus bauen: Jahre lang schuften, damit man nachher etwas hat, auf das man stolz sein kann. Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.</p>
<p><strong>Hat denn die Orange-Werbung etwas bewirkt?</strong><br />
Die ist schon hängen geblieben. Aber wenn du keine Leistung bringst, funktioniert auch die Werbung nicht. Zumindest nicht, wenn du Sportler bist. Aber dass sich Orange traute, einen Behinderten als Testimonial zu nehmen, war ein großes Risiko und hat sicher viel bewegt.</p>
<p><strong>Risiko?</strong><br />
Viele Leute empfinden Behinderte immer noch als fremd. Und Sponsoring im Behindertenbereich ist ein noch relativ unentdecktes Land. In Sydney hab ich ein riesiges Plakat mit einem australischen Amputierten-Sportler gesehen. Da ist man schon ein, zwei Schritte weiter. Aber dass jemand wie ich neben Tiger Woods und Thierry Henry in der wirklich ersten Reihe stehen kann – davon sind wir noch weit entfernt.</p>
<p><strong>Wie kommt man dort hin?</strong><br />
Indem man miteinander redet. Wen ich merke, dass jemand etwas wissen will, es sich aber nicht fragen traut, spreche ich es einfach selbst an.</p>
<p><strong>Zum Beispiel?</strong><br />
Sex ist immer wieder Thema. Da rede ich sehr offen darüber: Ja, ich kann Sex haben. Ja, ich kann Kinder kriegen. Thema erledigt. Leute, die Behinderten in Alltagssituationen begegnen, fragen sich auch oft, ob sie helfen sollen oder nicht. Da frage ich mich immer: Warum geht man nicht hin und fragt einfach nach? Umgekehrt müssen auch Behinderte lernen, mit solchen Situationen umzugehen und nicht immer erwarten, dass Nichtbehinderte alles wissen.</p>
<p><strong>Du hast einmal gesagt: Wenn man satt ist, hat man keinen Zug nach vorne. Wie schafft man es, trotz Olympiasiegen hungrig zu bleiben?</strong><br />
Ich konzentriere mich auf meine körperliche Heilung und bleibe in Bewegung.</p>
<p>Bewegung ist das Stichwort. Thomas bittet in sein „Penthouse“. Auch der Umstand, dass sich der Wohnraum im ersten Stock befindet, ist für einen Rollstuhlfahrer erst einmal ungewöhnlich. „Pure Absicht“, lacht er. „Wenn man nicht besucht werden will, ist man einfach nicht zu Hause.“ Geierspichlers Wohlfühloase besteht aus einer einladenden Sofa-Ecke, einem offenen Kamin, auf dem australische und asiatische Masken und diverse Auszeichnungen – darunter die zum Sportler des Jahres – thronen.</p>
<p><strong>Nach allem was Du gesagt hast, muss Dir die Wahl zum Sportler des Jahres wichtiger gewesen sein als der Gewinn Deiner Medaillen.</strong><br />
Auf jeden Fall. Natürlich sind die Medaillen die Voraussetzung, aber die Akzeptanz der Menschen in diesem Ausmaß war – wie ich immer sage – ein kleiner Schritt für mich, aber ein großer für die Menschheit. Als ich auf´s Krone-Titelblatt kam, war mir auch nicht wichtig, dass ich drauf bin, sondern dass ein Behinderter drauf ist. </p>
<p>Mittlerweile sind wir in der offenen Küche angelangt. Auf dem Herd kann man mühelos vom Rollstuhl aus kochen und auch der Kühlschrank und die übrigen Armaturen sind speziell tief ausgerichtet. Dass er das von einem Bekannten gebaute Juwel nicht so oft zum Kochen nutzt, liegt weniger an seinem stressigen Alltag als am Special-Agreement mit seiner Mutter: Er arbeitet, sie kocht. Die Küche nützt er eher zum Plaudern. Dort, wo er sich mit Freunden gern zu einem Glas niederlässt, ist der richtige Ort, um intimere Themen anzuschneiden.</p>
<p><strong>Du bekennst Dich sehr offensiv zu Deinem Glauben. Stößt das nicht manchmal auf Unverständnis?</strong><br />
Und ob. Viele verstehen nicht, dass mein Glaube nur wenig mit der Kirche zu tun hat. Die Kirche tut oft, als hätte sie die Bibel geschrieben und als sei sie das Fundament der Bibel. In Wirklichkeit ist es umgekehrt. Es ist doch so: Viele Leute suchen Spiritualität. Manche finden sie im Buddhismus, ich in der Bibel. In unserem Kulturkreis sind wir nun einmal mit diesem Handbuch des Lebens aufgewachsen und viele ihrer geistigen Grundsätze funktionieren, indem man sie naiv wie ein Kind annimmt. </p>
<p><strong>Zum Beispiel?</strong><br />
Trachte zuerst nach dem Reich Gottes und alles andere wird dir  hinzugefügt. Und zwar hundertfach. Danach lebe ich und es funktioniert. Ich schaue, dass ich in meiner Bestimmung lebe, mir Ziele stecke. Dann brauch ich mich um das Rundherum nicht zu kümmern, weil es automatisch passiert. Den Fokus nach vorne richten, nicht Herumärgern und ständig an Kohle denken&#8230;<br />
Ich fahre ja auch keinen Weltrekord, wenn ich ihn unbedingt fahren will. Ich fahre ihn, wenn ich gerne fahre, im Kopf frei bin und so schnell fahre, wie es eben geht. Dann passiert der Weltrekord. Erzwingen kann ich ihn nicht.</p>
<p><strong>Das klingt alles eher nach Spiritualität als nach Religiosität.</strong><br />
Genau. Bei der Religiosität stehen die Werke im Vordergrund, um Gott wohlgefällig zu werden. Gott wohlgefällig bist du aber nur, wenn du ihn suchst. Wenn du im Auto in einer Schrecksekunde sagst: Bitte hilf mir! So sucht man Gott.</p>
<p><strong>Das wiederum klingt nach Verzweiflung. Je verzweifelter ich bin, desto mehr suche ich Gott&#8230;</strong><br />
Besser als man sucht ihn gar nicht. Der nächste Schritt ist, sich zu bedanken: Für einen  coolen Tag, für das Leben&#8230; Oft kann man seine Dankbarkeit ja gar nicht in Worte fassen. Und dann glaube ich an Heilung. Das Universum hält unendlich viel Energie und Heilungskraft bereit. Dass wir sie nicht zulassen, liegt an unseren Blockaden im Kopf.</p>
<p><strong>Was genau meinst Du damit?</strong><br />
Wenn jemand querschnittgelähmt ist, heißt das für uns: Er sitzt sein leben lang im Rollstuhl. Das ist so tief in uns verankert, dass man die Heilkraft nicht mehr zulassen kann. Ich glaube an meine Heilung. Irgendwann. Ich hab aber auch kein Problem, wenn es nicht passiert. Bill Gates fing auch in der Garage an. Der hat sich im Kopf nicht limitiert.</p>
<p><strong>Was kommt nach Deiner aktiven Karriere?</strong><br />
Ich habe ein großes Vertrauen, dass zum richtigen Zeitpunkt das Richtige kommt. Irgendwas im Herz wird größer und etwas anderes dafür nebensächlich – der natürliche Lauf der Dinge. So lange mir Gott aber nicht zeigt, dass jetzt Sense ist, mach ich weiter. Das ist meine Pflicht.</p>
<p><strong>Und der sportliche Plan?</strong><br />
Vor Peking hab ich immer gesagt: „Falls ich bis dahin noch nicht gehen kann, werde ich an den Spielen teilnehmen und versuchen eine Medaille zu gewinnen.“ Was ich damit meine: Noch eine Medaille in London zu gewinnen, macht mich nicht glücklicher. Was Wert hat, ist der Moment, in dem ich die österreichische Bundeshymne höre, und das Bewusstsein kommt, durch was ich alles ging, um diesen Moment zu erleben, welche Überwindung, welche Kraft notwendig war und was ich durchmachen musste. Für diese unfassbaren Glücksmomente mach ich das alles.</p>
<p><strong>Aber das ist nicht alles, oder?</strong><br />
Nein. Es ist viel passiert in meinem Leben. Ich will auch, dass das, was ich durchlebe, jemand versteht.</p>
<p><em>Wenn er noch gehen könnte, wäre er Bauer. Thomas Geierspichler, Jahrgang 76, hätte den elterlichen Hof übernehmen sollen. Dann kam alles anders: Kurz vor seinem achtzehnten Geburtstag verunglückte er auf dem Heimweg aus der Disco als Beifahrer. Nach zwei Monten erfuhr er, dass er fortan hüftabwärts gelähmt sein wird. Nach Eskapaden mit Alkohol und Drogen fand er schließlich zu Gott – der Beginn einer unglaublichen Karriere: Es wurde fünfmal Weltmeister, sechsmal Europameister und ist amtierender Paralympicssieger über 1500 Meter und im Marathon. Über die Marathon-Distanz ist er außerdem Weltrekordhalter.<br />
Den Wien-Marathon allerdings wird er auch heuer nicht fahren. Angeblich, weil es zu gefährlich ist.<br />
Geierspichler trainiert täglich vier bis sechs Stunden und hält Motivationsvorträge.<br />
Seine oberste Priorität lautet: Bodenständigkeit und Wahrhaftigkeit.</em></p>
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		<title>Perfekter Ruhepuls</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Feb 2015 09:29:19 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Sport]]></category>

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		<description><![CDATA[<p><img width="199" height="300" src="http://www.deisenberger.com/wp-content/uploads/totschnig-199x300.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA" /></p>Er war Österreichs erfolgreichster Radprofi. Heute bastelt Georg Totschnig in Zell am Ziller an seiner zweiten Karriere: einer frisch eröffneten Immobilienkanzlei. Als Georg Totschnig im Herbst 2006 seine Radsportkarriere beendete, gab es für ihn, so erzählt er uns bei einem Espresso in seinem Büro, eigentlich nur zwei berufliche Alternativen: Entweder ein eigenes Team gründen oder [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img width="199" height="300" src="http://www.deisenberger.com/wp-content/uploads/totschnig-199x300.jpg" class="attachment-medium wp-post-image" alt="KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA" /></p><p><em>Er war Österreichs erfolgreichster Radprofi. Heute bastelt Georg Totschnig in Zell am Ziller an seiner zweiten Karriere: einer frisch eröffneten Immobilienkanzlei.<br />
</em></p>
<p>Als Georg Totschnig im Herbst 2006 seine Radsportkarriere beendete, gab es für ihn, so erzählt er uns bei einem Espresso in seinem Büro, eigentlich nur zwei berufliche Alternativen: Entweder ein eigenes Team gründen oder etwas völlig anderes machen. Dass es dann das „Völlig Andere“ wurde und er heute seine Arbeitstage nicht mehr auf dem Fahrrad, sondern hinter dem Computerschirm verbringt, lag zunächst einmal an der schwierigen Phase, die der Radsport damals gerade durchmachte. Zahlreiche prominente Doping-Fälle hatten dazu geführt, dass alte Sponsorenverträge nicht mehr verlängert wurden und neue Geldgeber ausblieben. „Es war eine Zeit zwischen Hoffen und Bangen“, erzählt der gebürtige Innsbrucker. „Und besser geworden ist es seither auch nicht wirklich.“ Tatsächlich steht der Radsport immer noch immer an der Kippe – ein Umstand, der den Tour de France-Etappensieger nachdenklich und ratlos zugleich macht. Durch verstärkte Kontrollen werde einerseits der Versuch unternommen den Sport zu reinigen, andererseits zerstöre man dadurch seine Identität, so Totschnig. „Da den richtigen Weg zu finden, ist nicht einfach.“ Die im Anti-Doping-Kampf immer wieder beschworene völlige Transparenz jedenfalls sei eine Illusion, denn ob Pharmaindustrie, Ärzte oder Manager: sie alle machen Geschäfte mit dem Sportler und deshalb werde es auch immer wieder jemanden geben, der sich etwas Neues einfallen lässt.</p>
<blockquote><p>„Dass es im normalen Leben um etwas anderes geht als Etappen zu gewinnen, musste ich erst lernen.“
</p></blockquote>
<p><strong>Back To The Roots</strong><br />
Etwas Neues ließ sich daher auch Totschnig einfallen. Immobilien hätten ihn immer schon interessiert, sagt er. Und als dann auch noch der Schwiegervater ab und an von seiner Tätigkeit als Bauträger berichtete, war schnell der Entschluss gefasst. Er absolvierte am WIFI die Ausbildung zum Makler und Bauträger.  „Zeit hatte ich ja. Dass es im normalen Leben um etwas anderes geht als Etappen zu gewinnen, musste ich allerdings erst lernen.“ Anfangs sei er schon schräg angeschaut worden und viele missverstanden das Erscheinen des Ex-Sportlers bei den Kursen auch. „Oft wurde ich gefragt, ob ich jetzt einen Vortrag halte“, lacht er. Heute ist die Sachlage klarer: Er betreibt in Zell am Ziller selbständig eine kleine Immobilienkanzlei, bei deren Aufbau ihm die im Radsport gezogenen Lehren, allen voran die, wonach sich die wahre Leistung nicht in Geld bemessen lässt, sicher zugute kamen: „Nur weil man nach einem Teamwechsel plötzlich doppelt so viel verdient, ist man noch lange nicht doppelt so gut. Manchmal muss man zurück den Wurzeln, dann kommt auch die Leistung wieder. Ähnlich ist es, wenn du im Job nicht bei der Sache bist, weil du  jeden Tag nur an das Wochenende und an die Ferien denkst. Dann wirst du auch nie wirklich gut sein.“<br />
Wirklich gut war er beinahe zwei Jahrzehnte Jahre lang im Profirennsport. Eine Rückkehr dorthin schließt er jedoch aus. „Ich bin schon zu weit weg.“ Dass es mit dem Traum eines eigenen Teams nichts wurde, liege auch an der mangelnden Flexibilität des Verbandes, meint er. Schon als er noch aktiv Rennen fuhr, habe er angeboten, sich für Jugendprojekte unentgeltlich als Testimonial zur Verfügung zu stellen. Ohne Ergebnis. Dann unternahm er vor zwei Jahren noch einmal einen Anlauf, indem er half, in Tirol ein Jugend-Team auf die Beine zu stellen. Seine Vision: Die besten U23-Fahrer aller Bundesländer sollten gemeinsam als Jugendnationalteam bei der Österreich-Rundfahrt starten. Eine spannende Geschichte, der die Medien sicher Beachtung geschenkt hätten, für die sich das Reglement der Tour aber als zu starr erwies. Schade findet Totschnig, denn ein Verband, der nichts mit Fußball oder Skifahren zu tun hat, müsse Ideen entwickeln. Sich nur am Dopingsünder Kohl abzuputzen, wonach diesen quasi die Alleinschuld am Ausbleiben von Sponsoren treffe, sei vor allem eines: billig. „Man hatte viele, viele Jahre Zeit, um etwas auf die Beine zu stellen und hat es schlicht und ergreifend verschlafen.“ Schließlich habe der Schwimmverband gezeigt, dass man auch als Randsportart erfolgreich sein kann. </p>
<p><strong>Schöne Aussichten</strong><br />
Doch gerade als Totschnig in Fahrt kommt, lenkt er auch schon wieder ein. „Sudern“ wolle er nicht, sagt er. Wir beschwichtigen: Wer sich kein Blatt vor den Mund nimmt, ist vom „Sudern“ weit entfernt. Dazu hätte Totschnig auch wenig Grund: Er ist glücklich verheiratet und dreifacher Vater. In Raumsau-Bichl im schönen Zillertal, hat er der Familie am Hang liegend ein Haus mit schöner Aussicht bauen lassen. Hell musste es sein, das war ihm wichtig. Für die innen ausgewogene Mischung aus mediterranem Stil und die durch Holz und Holzofen vermittelte Gemütlichkeit sorgte vor allem Frau Michaela. „An ihr ist eine Innenarchitektin verloren gegangen.“</p>
<p>Gibt es denn einen speziellen Platz aber, an dem er besonders gern entspannt? Totschnig überlegt angestrengt. „Eigentlich nicht, weil die Kinder einfach alles einnehmen und wir nur ständig am Hinterherräumen sind“, lacht er. „Ruhige Stunden gibt es selten. Fernseh-Couch und Leseecke – das alles ist auf später verschoben.“ Dann fallen ihm puncto Entspannung doch noch zwei Besonderheiten ein: Zunächst einmal die Sauna, die – „weil wir etwas Gemütliches nicht im kalten Keller verstecken wollten“ – im ersten Stock liegt und mit Schlafzimmer und Badezimmer verbunden ist. Und sein privater Weinkeller, dessen Ausbau ihn zwei Wochen intensive Arbeit kostete, der mit seinen alten Wappenversehenen Ziegeln aber „viel schöner ist als man ihn bei einer Firma je kaufen könnte“. Dass er einen Kellerraum roh gelassen hatte, erwies sich dabei als besonders vorteilhaft. „So kommt der Erdgeruch rein.“</p>
<p>Kein Zweifel, Georg Totschnig ist in seiner zweiten Karriere zur Ruhe gekommen. „Hätte ich ein Team, wäre ich wohl jetzt gerade im Trainigslager und nicht mit den Kindern Skifahren“, bringt er es auf den Punkt. Und auch wenn so dem österreichischen Radsport eine ihrer größten Integrationsfiguren abhanden kam, seiner Frau und den Kindern wurde ein Familienmensch geschenkt.</p>
<p><strong>Georg Totschnig über&#8230;<br />
</strong><br />
<strong>&#8230; Radsport made in A</strong><br />
In der breiten Masse hat es sich extrem zum Besseren gewandelt, aber der Spitzensport ist komplett rückläufig. Der Verband hat so viel damit zu tun, die Österreich-Rundfahrt halbwegs auf die Füße zu stellen, dass alles andere, insbesondere die Jugendförderung brach liegt. </p>
<p><strong>&#8230; das Armstrong-Comeback</strong><br />
Für einen derart krisengebeutelten Sport ist es nur gut, wenn sich auch wieder Medien interessieren, die nicht rein auf das Radfahren fokussiert sind. Die Entscheidung selbst werte ich aber eher als ein Zeichen der Schwäche. Die Zeit kann man nicht aufhalten und aufhören tut man besser nur einmal.</p>
<p><strong>&#8230; das Einfrieren von Doping-Proben</strong><br />
Davon halte ich gar nichts. Wenn noch nach Jahren Titel aberkannt werden können, ist für mich als Fan der Sport gestorben.</p>
<p><strong>&#8230; seine Lieblingsstrecke</strong><br />
Lüttich-Bastogne-Lüttich – ein Klassiker, der auch für Bergfahrer geeignet ist. Die Begeisterung der belgischen Fans ist kaum fassbar. Besonders gern fuhr ich auch In Spanien und dort vor allem im Baskenland.</p>
<p><strong>&#8230; Spaß im Profi-Zirkus</strong><br />
Am meisten Spaß hatte ich im Team Bolti mit den Stars Bugno und Abduschaparow. Die Italiener haben einen anderen Zugang zum Sport. Sie betreiben ihn nicht, sie leben ihn. Bei den nachfolgenden Teams ging es mehr Geld gegen Leistung.</p>
<p><strong>Georg Totschnig – Erfolg &#038; Familie</strong></p>
<p>Georg Totschnig war in seiner Profi-Karriere (1995-2006) Etappensieger bei der Tour der France (Aix-3-Domaines), Tour de Suisse, mehrfacher österreichischer Staatsmeister, österreichischer Meister im Einzelzeitfahren und Sportler des Jahres 2005. Bei den großen Rundfahrten Tour de France, Giro Italia und Vuelta Espana konnte er sich mehrfach in den Top Ten klassieren.</p>
<p>Heute läuft er mehr als er radelt und lebt mit Frau Michaela und seinen drei Kindern Emma (11), Maximilian (4) und Josef (2) in Ramsau-Bichl im Zillertal.</p>
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